Magen

Unser Magen, ein eigenwilliges Wesen, ein komplexes Ökosystem.

Als Biologin und Heilpraktikerin ist es mir ein Anliegen, das Wissen, das wir über unseren Körper und seine Funktion und seine Bedürfnisse haben, zusammenzuführen.

Das eine oder andere hört man hier und da. Aber wer versteht schon die komplexen Zusammenhänge? Dafür ist die Betrachtung unserer Organe als sowohl eigenständige wie auch vernetzte Wesenheiten und als komplexe Ökosysteme hilfreich.

Magenprobleme, Sodbrennen?

Was tut die Schulmedizin? Sie verschreibt meist einfach Magensäureblocker.
Mal abgesehen von zahlreichen Nebenwirkungen ...

Da man nicht unabhängig von Basenbildung Säuren bilden kann, wird also gleichzeitig, die Bildung von Basen unterdrückt, die anderswo gebraucht werden.

Im Magen wird die Säure gebraucht, sie schützt uns vor Infektionen, tötet die meisten Bakterien in unserem Essen erstmal ab. Sie ist notwendig, um die Eiweißverdauung vorzubereiten, die Eiweiße werden denaturiert (Ähnlich wie wenn Sie den Inhalt von einem Ei in kochendes Wasser geben).

Über den Intrinsic-Factor wird die Bildung von Vitamin B12 angeregt.

Magenprobleme erzeugen also oft einen Vitamin B12 Mangel. Statt einfach das Vitamin einzunehmen / zu spritzen, wäre es sinnvoll, nachzuschauen, was denn genau nicht klappt, um die Ursachen zu beheben.

Im Dünndarm brauchen wir die Basen, die im Falle der Einnahme von Säureblockern auch nicht gebildet werden. Wenn der pH-Wert im Dünndarm zu niedrig, also zu sauer, ist können die dort wichtigen Verdauungs-Enzyme nicht arbeiten und erfüllen ihre Funktion nicht. Die nicht resorbierten Nahrungsstoffe bleiben im Übermaß übrig für die Darmbakterien und die machen daraus Gärungen und Fäulnis. - Der Dünndarm ist dafür aber noch gar nicht vorgesehen, das sollte (in gemäßigtem Umfang) erst im Dickdarm stattfinden - Gärung ist die Zersetzung von Kohlenhydraten durch Mikroben, sie senkt weiter den pH-Wert (saurer), was im Dünndarm noch nicht erwünscht ist und die Resorption weiter verschlechtert. Fäulnis ist die mikrobielle Zersetzung von Eiweißen, hierbei entstehen immer Toxine (Leichengifte), welche die Leber belasten und den gesamten Körper schädigen können.

Bei Stress wird die Magensäureproduktion hochgefahren, das ist ein Schutzmechanismus. Stellen Sie sich vor, der Jäger hat erfolreich sein Wild gejagt und sich glücklich einverleibt, da taucht plötzlich ein Bär auf und verfolgt ihn. Was macht die Verdauung? Sie geht in Warteposition. Durch die erhöhte Magensäure wird der Mageninhalt erstmal konserviert, bis er dann, wenn wieder Entspannung eingetreten ist, weiterverarbeitet werden kann.

Wie prüft man nun, ob jemand zu viel oder zu wenig Magensäure hat? Nahe liegend, wäre, Magensaft zu entnehmen und den pH-Wert zu messen. Nette Idee. Aber was macht eine Magenspiegelung mit Ihnen? Es ist eine hochgradige Stresssituation. Also wird ihr pH-Wert in einer solche Situation auf jeden Fall stark sauer sein. Kann sein, dass die Schulmedizin daher meint, es sei immer zu viel Magensäure das Problem, wenn sie Magensäure entnehmen kann, steht der Patient immer unter starkem Stress.

Also kann man es nur ausprobieren. Das Einfachste ist, Sie nehmen einige Minuten vor dem Essen (langsam trinkend in kleinen Schlucken, um es nicht schnell durch den Magen hindurchzukippen) eine konzentrierte Salzlösung (Sole) ein. Das Salz (NaCl und andere Chloride) fördert die Bildung von Magensäure (HCl, Salzsäure, Hydrochlorsäure).

Oder kaufen Sie sich probeweise Kapseln mit Betain-Hydrochlorsäure, z.B. Micro-Digest und probieren Sie es 1-5 Mahlzeiten aus, ob es ihnen hilft, sie vor dem oder zum Essen einzunehmen. Betain ist ein pflanzlicher Stoff, der z.B. in Beete / Rüben (Beta) vorkommt. Betain hier wird im Magen abgespalten und die Hydrochlorsäure (HCl, Salzsäure) wird frei. Wenn Salzsäuremangel ihr Problem sein sollte, werden Sie dies sofort spüren, dadurch dass es die Symptome wie Unwohlsein, Blähungen, Krämpfe, Völlegefühl etc. sofort lindert.

Wenn Sie spüren, dass es Ihnen nicht gut tut, weil doch schon zu viel Magensäure vorliegt, dann werden Sie das auch sofort merken, es fühlt sich einfach unangenehm im Magen an. Wenn das der Fall sein sollte, nehmen Sie, um die überschüssige Säure zu binden, Aktivkohle oder Heilerden ein und stellen Sie den Test ein.

Saures Aufstoßen kann also von zu viel Magensäure kommen oder von zuwenig. Das können Sie ausprobieren. Was die Magensäureproduktion erhöht, ist Stress und ist die Aufnahme von eiweißreichen Lebensmitteln (Fleisch, Fisch, Käse, Tofu, ...).

Was außerdem den Mageninhalt nach oben drückt, ist körperlicher Druck. Wenn Sie gerade frisch gegessen haben, bleiben sie erstmal sitzen, das ist auch für das Verdauungssystem das Signal, dass die Verdauung jetzt stattfinden kann. Wenn Sie sich direkt nach dem Essen tief bücken, z.B. um die Schuhe zuzubinden kann es sein, dass der Mageninhalt sich noch nicht gut genug gesetzt hatte und ein wenig hochkommt. Das ist keine Krankheit, sondern nur eine Fehlbenutzung. Lassen Sie ihrem Magen nach dem Essen erstmal eine Weile Ruhe.

Was außerdem die Magensäfte nach oben drückt ist alles, was körperlichen Druck ausübt: Tief bücken, zu niedrige Sofas, Hocken, bauchbetontes Übergewicht, Blähungen im Darm, Verstopfung und Völle, Darmträgheit aber auch Spannungen welche den Oberkörper herunterdrücken oder die Mitte /das Zwerchfell zusammen schnüren.

So entstehen auch Hernien, d.h. dass der Magen hochgedrückt wird und sich durch die Öffnung im Zwerchfell etwas durchschiebt und evtl. eingeklemmt wird.

Wenn Sie Darm- oder Spannungsprobleme haben, gehen Sie bitte zum(r) Heilpraktiker(in) und lassen Sie nach den Ursachen für diese Dinge schauen.

 

Wie passt Trinken und Essen zusammen?

Eine weitere biologische Tatsache über den Magen, die nicht sehr in ihren konkreten Auswirkungen bekannt ist, ist die asymmetrische Form des Magens. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum der Magen eine kurze Krümmug auf der einen Seite und eine lange auf der anderen Seit hat? Warum der Magenausgang nicht einfach am unteren Endes des Magen liegt, sondern weiter oberhalb?

Schauen Sie sich mal ein Bild von einem Magen an. Die kurze Strecke, ist die "Autobahn" zum Magenausgang. Durch die Adhäsionkräfte rauscht schnell herumtergetrunkene Flüssigkeit durch den Magen schnell wieder heraus. Das kann von Vorteil sein, wenn ich z.B. kurz vor dem Essen noch etwas trinken möchte ohne meine Verdauungssäfte stark zu verdünnen.

Probieren Sie es ruhig mal aus, kippen Sie 1-2 Glas lauwarmes oder warmes Wasser mal schnell hinunter. Schon nach ein paar Sekunden hören Sie deutlich ein wässiges Gluck-Gluck, der Magenausgang öffnet sich und die Flüssigkeit rauscht durch den Magen hindurch in den Dünndarm.

Das ist dann hilfreich, wenn ich die Magensäfte nicht verdünnen will, also vor und nach dem Essen. Zum Essen trinken Sie bitte nichts oder nur wenig, um die Säfte nicht unnötig zu verdünnen.

Es ist auch dann sinnvoll, wenn ich möchte, dass das, was ich zu mir nehme hinter dem Magen ankommen und wirken soll, wie z.B. Probiotische Bakterien, z.B. in Form von Pulver in Wasser gelöst.

Bei Kapseln ist dies in der Regel nicht notwendig, weil die Kapseln in der Regel magensaftresistent sind. Aber auch da, nehmen Sie diese Mittel nicht nach einem reichhaltigen einweiß- oder fetthaltigen Essen ein, sonst könnte es mehrere Stunden im Magen herumliegen und die Kapselhüllen werden dann evtl. doch schon geöffnet.

Wenn ich allerdings möchte, dass das, was ich zu mir nehme, im Magen wirkt z.B. Kamillentee gegen Magenschleimhautentzündung oder Iberogast oder andere Kräuter oder Elixiere für den Magen, dann bitte:

Gaanz langsam und in kleinen Schlucken aufnehmen, damit es erstmal im Magen liegenbleibt.

Auch wenn ich sehr ausgetrocknet bin, ist es sinnvoll das Wasser nicht so schnell herunter zu schütten, sondern langsam zu trinken, weil es dann besser aufgenommen werden kann und nicht sofort über die Nieren mit dem Urin wieder ausgeschieden wird. Dann aber bitte mit dem Essen noch 30 Minuten warten. Sonst haben Sie vor allem wieder die benötigten Säfte wieder verdünnt.

Die lange Krümmung des Magens ist entsprechnd dann dazu da, dass an der Stelle, wo die Magenwand abbiegt, Schweres und Festes herunterfällt, weil auf dies die Adhäsionskräfte nicht so stark wirken, sondern viel mehr die Schwerkraft. So entsteht auf eine einfache Weise eine Trennung von Fest und Flüssig. Schnell getrunkenes Flüssiges rauscht weiter, Festes plumpst herunter und bleibt liegen, damit es verdaut wird.

Das hat aber noch eine wichtige Konsequenz.

Wenn Sie etwas Flüssiges essen, wie z.B. Suppe, Brühe, Smooties, Shakes... Dann sollten Sie dies langsam tun, nicht nur runter schlucken, sondern auch kauen und einspeicheln, langsam häppchenweise.

Wenn Sie ein Glas Joghurt z.B. so schnell hinunterhauen, dass Sie dieses wässrige Gluck-Gluck-Geräusch hören, dann wissen Sie, dass es zu schnell war. Dann gelangt nun dieses Essen direkt in den Dünndarm ohne vom Magen vorbereitet worden zu sein. Das erschwert die Verdaulichkeit der Nahrung sehr und kann zahlreiche Darmsymptome verschlimmern.

Nehmen sie aber das "Nicht-Gluckern" bitte nicht als Ausrede. Vielleicht schafft ihr Magen es auch, das Ganze leiser zu fabrizieren. Wenn Sie das wässrige Glucksen direkt nach dem Runterkippen hören, dann wissen sie allerdings, dass es nun durch den Magen hindurch rauscht.

Schon gewusst?

Ist doch spannend, da haben wir schon unser ganzes Leben diesen Körper und können doch immer wieder Neues von ihm erfahren! Bleiben Sie neugierig!

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