Gefühlsfalle

In der Gefühlsfalle

Viele Menschen leiden sehr stark unter ihren Gefühlen, fühlen sich von ihren Mitmenschen verletzt, unverstanden und isolieren sich immer mehr.

 

Umgang mit Gefühlen:

Häufig erlauben wir uns z.B. keine “negativen” Gefühle wie Wut oder Angst. Wir denken, wir dürfen keine “negativen“ Gefühle haben, sollten immer gut drauf und freundlich sein. Da alle Menschen aber Gefühle haben, kommt es dazu, dass diese Gefühle ins Unbewusste weggedrückt werden.

Wenn ich Wut spüre, geht es nicht darum, dass ich die Wut auf meinem Gegenüber ablade, ihn verletze oder Rache übe. Das sind alles Wege, die diese Gefühle nur wie eine heiße Kartoffel weitergeben, aber keine Lösung bieten. In keiner Schule lernt man, wie man mit den wichtigsten Dingen des Lebens umgeht, mit den eigenen Gefühlen, mit dem eigenen Willen und den Wünschen, mit anderen Menschen usw.. Dazu braucht es in der Regel Herzensbildung, die Sie auf unterschiedlichen Wegen in Seminaren und Therapie erreichen können. Therapie heißt auf Griechisch übrigens nur “Begleitung” und die kann sich jeder gönnen.

 

Also, was tun mit den Gefühlen?

Wenn ich Wut spüre geht es erstmal darum, die Wut wirklich zu spüren, mich von ihr berühren zu lassen. Auch um festzustellen, dass sie als solche erstmal nicht wirklich gefährlich ist. Dann kann ich feststellen und annehmen, “ja, ich bin wütend”.

Das ist der Anfang. Nur etwas, was ich anerkenne und annehme, kann ich auch wirklich loslassen. Etwas, was ich nur loswerden will, ist emotional sehr stark mit mir verbunden und kehrt immer wieder zu mir zurück.

 

Der nächste Schritt ist in der Regel erst einmal nach mir selbst zu schauen:

kenne ich das Gefühl schon, woran erinnert mich das?

Passiert mir immer wieder das Selbe? Hab ich das nicht unbewusst super eingefädelt, dass ich mir hier wieder meine alte Überzeugung über die Welt bestätigen zu versuche?

Ist das hier nicht einfach eine weitere Wiederholung des selben Themas, weil meine Seele möchte, dass ich an dieser Stelle endlich heil werde und die alten Gefühle und Glaubenssätze über die Welt loslassen kann?

 

3 Wahlmöglichkeiten:

Dann gibt es immer drei Wahlmöglichkeiten:

  1. Zuerst könnte ich erkennen: oje, ich habe ihm / ihr Unrecht getan, ich habe etwas unterstellt und hineininterpretiert, was mit dem Gegenüber nur wenig zu tun hat, sondern mit meinen alten Programmen. Das nennt man Projektion, ich werfe dem anderen ein Bild über, das vor allem mit meiner eigenen Weltsicht zu tun hat. Das geschieht sehr häufig. Ich kann erkennen, dass es von meinem Gegenüber nicht böse gemeint war und ich kann mich vielleicht sogar damit anfreunden und darüber lächeln.
  2. Wenn das nicht passt, könnte ich feststellen: nein, das ist etwas, das muss ich nicht so hinnehmen. Ich kann sagen, “Ich möchte nicht, dass du so mit mir sprichst”. Ich kann meine Bedürfnisse und meine Wünsche klar äußern. Wenn es grundlegende Bedürfnisse für mich sind, dann können es auch Forderungen oder Bedingungen sein.
  3. Wenn ich dann vielleicht merke, dass mein Gegenüber - warum auch immer - nicht in der Lage ist, meine Grundbedürfnisse nach Unverletztheit zu beachten und sich entsprechend zu verhalten, dann kann ich natürlich noch einmal nach mir selbst schauen, warum ich mir so einen Partner / Kollegen / Gegenüber gesucht habe. Letztlich kann ich aber dann auch entscheiden: Nein, in einer Umgebung, die mich täglich emotional vergiftet muss ich nicht leben oder arbeiten. Ich verlasse diesen Ort und suche mir einen, der mir gut tut.

 

Ausstieg ist immer möglich:

Wenn es ihnen schwer fällt, eine solche Entscheidung zu treffen, aber sie deutlich spüren, dass es so nicht weitergeht, können Sie auch zunächst einmal vorübergehend Abstand suchen und sich Unterstützung holen.

Sie könnten z.B. eine Weile Urlaub nehmen, bei einer Freundin unterkommen, Heilurlaub machen oder in eine psychosomatische Kur oder zur tagesklinischen Kur in die Hahnemann Klinik Tübingen gehen. Sicher fällt ihnen eine Möglichkeit ein, wahrscheinlich sogar mehrere.

Es gibt fast keine Situation, die so verfahren wäre, dass es nicht doch einen Weg gibt. Oft denken wir auch, finanzielle Gründe stehen dagegen. Aber mit einem kleine Job und etwas Unterstützung von Krankenkasse, Staat, Gemeinde, Wohltätigkeitsorganisationen oder einem Tauschring kann jede/r erstmal einen neuen Anfang wagen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, man muss sich nur kundig machen oder Hilfe suchen.

Wenn wir uns in einem Dilemma sehen, dann brauchen wir meist vor allem einen Perspektivwechsel, der uns zeigt, dass es noch mehr Möglichkeiten gibt. Sie sind da, wenn wir den Blick dafür weiten.

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