Wie sehe, höre, fühle ich?

Vermutlich haben Sie schon einmal davon gehört, dass jemand über sich oder andere behauptet: Das ist ein auditiver, visueller oder haptischer / kinesthetischer Typ. Ihnen ist sicher schon mal aufgefallen, dass manche Leute mehr Wert auf ihr optisches Erscheinungsbild legen, andere mehr darauf, was sie sagen/hören oder wie sich etwas anfühlt / was sie tun.

Vor einigen Jahren habe ich hierzu ein Buch entdeckt, dass leider vor lauter Detailverliebtheit und Fülle schwer zu lesen ist. Es enthält aber ganz wesentliche Grundannahmen, die mir in meinem Leben schon sehr oft ganz praktisch ernorm weitergeholfen haben und die deshalb gerne weitererzähle.

 

Ich spreche von dem Buch "Die Entdeckung des Möglichen. Wie unterschiedlich wir denken, lernen und kommunizieren" von Dawna Markowa. (Verlag für Angewandte Kinesiologie, Freiburg 1993).
Es hat an Aktualität nichts eingebüßt.


Was ist so revolutionär an ihrer These und warum hat dies so weit reichende Auswirkungen auf unseren Alltag?

Sie hat entdeckt, dass wir nicht nur 3 Hauptsinneskanäle haben, Sehen/Zeigen, Hören/Sprechen, Fühlen/Bewegen.

Wir bevorzugen nicht nur einfach einen dieser Sinne, sondern wir bevorzugen jeden dieser Sinne in einem von 3 bestimmten natürlich gegebenen Bewusstseinszuständen.

Es gibt die drei Hauptzustände des Bewusstseins:

  1) Hellwach, vollbewusst 2) Tagtraum, unterbewusst 3) Trance, Traum, unbewusst.

Ich z.B. bin in meinem wachen / vollbewussten Kanal meist auf dem auditiven Kanal (A) unterwegs. Das heißt, meine Wortwahl ist meist sehr bewusst und überlegt, es passiert mir sehr selten, dass mir etwas schnell herausrutscht, was mir nachher Leid tut. Meine Wortwahl ist meist sehr präzise und differenziert. Sprechen und Hören macht mich wach. Ich kann sehr gut von Gehörtem lernen. Zum Entspannen kann ich also noch eine ruhige Musik ertragen, aber eigentlich macht mich Zuhören wach, vor allem, wenn es gesprochene Worte sind. So kann ich also bei Gesprächen oder Gesang nicht gut einschlafen, insbesondere wenn der Text mir neu ist. Wenn ich also dafür sorgen will, dass ich gut schlafe, muss es ruhig sein. Deshalb lebe ich gerne auf dem Land. Angeregte Diskussionen vor dem Zubettgehen halten mich noch eine Weile wach. Also lieber morgens diskutieren, dann werde ich schneller fit. Aber nicht zu früh, sonst krieg ich den Mund noch nicht auf.

Sie sehen, wenn man hier seinen eigenen Typ erkannt hat, kann man für sich selbst besser sorgen. so kann man sich seine Lebensumstände z.B. so einrichten, dass das was uns wach macht drankommt, wenn wir wach sein wollen und nicht gerade, wenn wir einschlafen wollen.

Kann sein, dass das für viele schon der einfache Schlüssel zur Lösung bei Schlafproblemen ist.

Haben Sie Schlafprobleme? Fällt das Einschlafen schwer oder wachen Sie zu früh auf? Welcher Sinneskanal ist da bei ihnen aktiv? Ist es ihr bewusster Kanal? Wie können Sie sich sanft auf den unbewussten Kanal begleiten? Manche schlafen sofort ein bei sanfter Berührung, bei ruhigen Tönen, beim Lesen, beim Betrachten von etwas ruhigem (Aquarium, Wolken, ...)?

Frage 1) Was macht Sie wach, wobei können Sie am schlechtesten einschlafen?
Worte, Berührung oder Licht?

Das ist ihr bewusster Kanal. Hier haben sie also ihre bewussten, intellektuellen Fähigkeiten am besten zur Verfügung. Deshalb schreibe ich z.B. Texte und mache keine Filme.

Der "mittlere Kanal" ist dann der in dem wir uns bevorzugt im Zustand von Tagtraum oder leichter Entspannung befinden. Sie erkennen ihn daran, dass er sie ein wenig entspannt, aber nicht zu sehr. Sie haben hier die optimalen Voraussetzungen, um sowohl auf bewusstes Wissen als auch auf intuitives Wissen zugreifen zu können. Nur im mittleren Kanal können sie sowohl nach Anweisung handeln als auch ihrem eigenen inneren Impuls folgen.

Dies ist der optimale Kanal, um hervorragenden Ergebnisse zu erzielen. Hier bringen sie Bewusstes und Unbewusstes zusammen, hier haben Sie Zugriff auf die meisten ihrer Resourcen und Fähigkeiten.

Der Vorteil ist, dass Sie von der Mitte aus Zugang zu beiden benachbarten Kanälen haben.

Dies ist bei mir der kinästhetische Kanal (K), also Fühlen, Berühren und Bewegen.

Als Tanzschülerin und Tanzlehrerin konnte ich gleichzeitig nach Anweisung die Schritte machen bzw. beim Vortanzen mit Worten erklären, was ich tue, aber auch einfach nachtanzen, was ich sehe oder eine Bewegung bildhaft machen. Ich kann mich sehr bewusst und kontrolliert bewegen aber auch mich ganz im Tanz hingeben und in eine leichte Trance geraten.

Als Körpertherapeutin kann ich in der Berührung gleichzeitig sowohl meine Kenntnisse über bestimmte Zusammenhänge von Anatomie, Muskeln, Bindegewebe, Energiebahnen, Emotionen, Bewegungs- und Haltungs-Zusammenhänge abrufen und umsetzen als auch mich sehr tief einfühlen und intuitiv genau die richtigen Punkte finden, die Massage oder Unterstützung brauchen. Dabei kann ich dann auch noch, wie mir oft gesagt wurde, dafür sehr gut die genau passenden begleitenden Worte oder Bilder finden.

Wenn ich im Fühlen / Berühren / Bewegen bin, kann ich gleichzeitig etwas sehen / zeigen oder auch etwas sagen / hören.

Das ist nicht selbstverständlich, ich hatte schon Tanzpartner, die kommen mit den Füßen völlig durcheinander, wenn man ihnen etwas erzählt oder wenn man sie beim Tanzen anschaut. Das hat nichts mit Unvermögen oder Scheu zu tun, sie können einfach nicht beide Kanäle gleichzeitig offen haben, wenn es der bewusste und der unbewusste Kanal ist.

Bei mir wäre das z.B. Hören mit Sehen. Wenn ich in einem Kaufhaus stehe und da ist eine große Leinwand mit vielen Filmen, dann kann ich kaum sagen "ich möchte eine Batterie kaufen". Wenn in einer Kneipe nebenher ein Fernseher läuft, kann ich mich nicht dabei unterhalten, weil ich ständig hinschauen muss (der unbewusste Kanal lenkt stärker ab, ist weniger kontrollierbar) und dann im unbewussten Kanal unterwegs bin.

Willst du also, das ich mal den Mund halte, zeige mit etwas Schönes, dann werde ich still. ; )

Für mich ist es essentiell, dass mein Beruf mit meinem mittleren Kanal zu tun hat. Würde ich nur schreiben und reden geriete ich auf die lange Sicht zu sehr in den Kopf und ins Grübeln und verlöre den Kontakt zur Intuition. Wenn ich zu sehr ins Schauen gehe, kann ich mich zu tief darin verlieren.

Frage 2) Was ist bei Ihnen sowohl mit dem Bewussten als auch dem Unbewussten in Kontakt? Welcher Kanal ermöglicht, dass Sie Zugriff auf beide benachbarte Kanäle haben? Welcher Kanal geht mit beiden anderen gleichzeitig?
Diesen Kanal sollten Sie für ihre wichtigsten Tätigkeiten nutzen, um hier bewusst und intuitiv sein zu können.

Somit kommen wir zum dritten Kanal, das ist der Unbewusste, der Kanal den wir im Traum und in tiefer Trance bevorzugen.

Das ist bei mir eindeutig das Sehen (visuell, V). Wenn ich dem Meer zuschaue, in ein Feuer schaue, einen Sonnenuntergang anschaue, wenn ich male und zeichne komme ich mit meinen Tiefen in Kontakt. Dies ist der richtige Kanal nicht für den täglichen Beruf, aber für einen künstlerischen Ausdruck, der tief befriedigt. Dabei sind wir dann aber auch wenig ansprechbar, wir müssen diesen Kanal etwas vor Überlastung und Störungen schützen, weil alles gleich tief hineingeht. Wenn wir gleichzeitig auf dem bewussten Kanal angesprochen werden, bringt uns das raus und kann uns unbewusst sehr verärgern, obwohl es uns dabei meist schwer fällt, das auszudrücken (weil es, wie gesagt unbewusst ist).

Den Unbewussten Kanal erkennen Sie auch daran, dass wir Dinge zwar wahrnehmen, aber nicht gleich reagieren. Menschen, die öfter mal eine Klecks auf der Kleidung haben, die Kleidung verknittert ist oder die Farbe der Socken nicht ganz zum Rest passt, zeigen deutlich, dass sie zwar visuell wahrnehmen, aber es bei ihnen nicht zum wachbewussten Kanal gehört. Sie kennen sicher auch die anderen Leute, die immer perfekt gestylt sind, bei denen niemals das Makeup verschmiert ist und immer alles perfekt sitzt. Diese sind eindeutig wachbewusst visuell. Da das Sehen unser Fern-Sinn ist, reagieren wachbewusst Visuelle auch meist schnell, zum Erfühlen von etwas, braucht man meist etwas mehr Zeit.

- Dass einem ein Kanal besonders wichtig ist, ist übrigens kein eindeutiger Hinweis darauf, dass es der wachbewusste Kanal ist. Viele Leute halten sich gerne die meiste Zeit auch im 2. oder 3. Kanal auf. Im dritten Kanal vor allem die Künstler. -

 

Frage 3) lautet also: Was entspannt Sie tief, wobei können sie gut einschlafen, was berührt sie am unbewusstesten, d.h. Sie können sich gegen die Wirkung am wenigsten wehren?


Der Gewinn:

So können wir nun über uns selbst lernen, wie unsere Wahrnehmung funktioniert. wir können erkennen, was uns wann leicht fällt und was uns schwer fällt und was nicht gleichzeitig geht. So lernen wir mit uns selbst achtsam und auch nachsichtig zu sein,. Wir können unser Leben uns passender machen und uns weniger stressen lassen.

Wir können aber auch erkennen, wie andere Menschen gestrickt sind und dann mehr Verständnis für sie oder Zugang zu ihnen entwickeln.

Ich stand z.B. mal bei meinem damaligen Freund auf der Baustelle und fragte mich "Warum sagt er mir nicht, was ist tun soll?" während er dachte "Warum sieht sie nicht, was zu tun ist?"

Wenn man solche Situationen erkennt und bemerkt, dass der andere auf dem anderen Sinneskanal unterwegs ist

"Sieht er denn nicht, die schönen neuen Kissen?" "Der Pullover ist kratzig." usw. "Warum sagt er mir nie, das er mich liebt?" "Wieso kann sie nicht sehen, was ich alles für sie getan habe?"

kann man nachfragen und am besten über den dritten Sinneskanal übersetzen.

Statt vollplappern und nicht hinschauen also z.B. einfach mal in den Arm nehmen und spüren.

Bevor wir uns diese Wahrnehmungsunterschiede bewusst gemacht haben, passieren viele solche Missverständnisse, oft verursachen sie bei uns Gefühle von "sich nicht gesehen / gehört / gespürt fühlen". Das kann sich sehr kränkend anfühlen bis wir verstehen, der Andere kann gar nicht anders.

Er fühlt schon, "Ich liebe Dich" aber er kann er vielleicht nicht aktiv mit Worten sagen. Aber zeigen kann er es mit Gestern, Taten oder Blicken. Darauf seine Aufmerksamkeit zu richten, kann viele Beziehungen und Ehen retten!

Wir können erkennen, welche gemeinsamen Fähigkeiten wir haben, wobei wir im selben Bewusstseinszustand sind, welche Sinneskanäle wir beide gleichzeitig benutzen können, auch wenn wir dabei nicht gleich "wach" sind (z.B. hat AKV und VAK die benachbarten Kanäle AK gemeinsam, sie können also miteinander sehend fühlen). Und wir können erkennen, wo uns der andere nicht folgen kann, weil wir gleichzeitig seinen bewussten und seinen unbewussten Kanal ansprechen.

Erkennen wir also, ja, der Andere ist anders als ich. Aber das ist weder böswillig noch falsch.

Wie gesagt, wenn ich in einem Kanal unterwegs bin und der andere im anderen, dann kann der dritte Kanal meist übersetzen.

 

Schließlich zeigt uns dieses Modell auch noch etwas darüber, wie wir optimal lernen oder etwas vermitteln können bzw. auch, wie wir variieren können, um Leute zu erreichen, die anderes gestrickt sind als wir selbst.

Wenn Sie sich das Modell im oben dargestellten Bild anschauen:

1) Das Dreieck stellt den Bewussten Kanal dar, bei mir als Beispiel also das Hören/Sprechen (auditiv A).

2) Das Viereck ist der mittlere, unterbewusste Kanal, bei mir also das Fühlen / Berühren / Bewegen (kinästhetisch K).

3) Der Kreis stellt den unbewussten Sinneskanal da, bei mir also das Sehen (visuell V).

Wenn wir optimal lernen wollen, sollten wir also die Sinneskanäle in der Reihenfolge Kanal 1,2,3 benutzen, in meinem Fall also erstmal davon hören oder auch beim Schreiben mitsprechen, dann es erfühlen / begreifen und schließlich sich ein Bild / Schaubild / eine Übersicht davon machen.

Umgekehrt kommt es am flüssigsten bei der Darstellung raus: d.h. Kanal 3,2,1. Bei mir also, wenn ich mir erst ein Bild davon mache, dann es begreifen kann und es schließlich in Worte fasse.

Bedenken Sie dabei aber, dass Sie in einer Gruppe alle möglichen Varianten der Wahrnehmungstypen vorkommen können. Vielleicht häufen sich bestimmte Typen in bestimmten Kursen. Bewusst visuelle Typen finden Sie sicher oft im Theater, bewusst auditive in Lehre und Unterricht, bewusst kinästhetische unter Sportlern und Masseuren. Wenn also welche dabei sind, die ihnen nicht folgen können, probieren sie mal, die Reihenfolge zu verändern.

Das heißt in der abgekürzten Schreibweise (1.2.3.) also statt VKA dann VAK, KAV, KVA, AKV oder AVK. Mehr als diese 6 Varianten existieren nicht. Aber das ist schon weit mehr als die meisten Leute im Blick haben - visuell ausgedrückt ; )

 

Haben Sie Lust, das mal für sich selbst herauszufinden?

Für sich und ihre wichtigsten Bezugspersonen?

Für die mit denen Sie am meisten Missverständnisse haben?


Folgen Sie einfach den oben genannten Fragen.

Kurz zusammengefasst:

  1. was geht nicht gleichzeitig, dass muss Kanal 1 und Kanal 3 sein, wir können nicht gleichzeitig voll wachbewusst sein und tief träumen.
  2. Was davon macht Sie wach, was macht Sie müde?
  3. Was Sie wach macht, ist der bewusste Kanal,
  4. was Sie müde macht, ist der Unbewusste Kanal,
  5. der mittlere ist dann der, der übrig bleibt, hier sollten Sie Zugang zu beiden anderen Kanälen haben.
  6. Zur Verifizierung: Was geht gleichzeitig? Das muss benachbart sein.

Die Sache ist sehr spannend und hat bisher für jeden, mit dem ich das mal durchdacht habe, interessante Erkenntnisse und Ergebnisse gebracht.

Falls Sie mit diesen 6 Fragen allein nicht zurecht kommen, dürfen Sie mich gerne per Mail oder Telefon kontaktieren, dann finden wir das gerne gemeinsam heraus.

Viel Spaß und erhellende Erkenntnisse!

 

 


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