Pilze für den Darm

Pilze für den Darm

 

Darm und Pilze heißt nicht automatisch Candida-Befall. Pilze können Parasiten sein, Zersetzer, Commensalen (harmlose Mit-Fresser) und freundliche Symbionten.

Auch kennt man in der chinesischen und japanischen Heilkunde schon sehr lange den Nutzen bestimmter Pilze, die heute als Speisepilze, als Pulver oder in Kapseln genutzt werden können. Einige dieser Pilze können wir frisch im Asia- oder Bioladen kaufen wie Shiitake, Mandelpilz oder chinesische Morchel. Man kann einige auch als Kulturen kaufen und selbst anziehen. Manche sind allerdings so speziell in ihrer Wirkung und teilweise auch in ihrem Geschmack, dass sie nur als Heilmittel eingenommen werden.

 

In meiner Heilpraxis verwende ich für die Darmgesundheit vor allem folgende Pilze:

 

Hericium erinaceaus (Igelstachelbart) fördert die Integrität der Darmschleimhaut und wirkt damit dem Leaky Gut Syndrom entgegen. Eine zu durchlässige Darmschleimhaut führt hier dazu, dass unspezifische allergieähnliche Reaktionen auftreten, weil unaufgeschlossene Nahrungsbestandteile ins Blut gelangen.

Außerdem wirkt er (wie auch Maitake, Klapperschwamm, Grifola frondosa) gegen chronischen Durchfall und Morbus Crohn. Er stärkt auch das Immunsystem durch Regulation der TH1- TH2- Antwort.

 

Für das Immunsystem, ist insbesondere die Gabe von ABM, Agaricus blazei murrill (Mandelpilz) sinnvoll. Er enthält hohe Gehalte an antioxidativ wirkenden Enzymen (Superoxiddismutase SOD, Katalase, Tyrosinase).

 

Auricularia-1948083_640.jpgBei hartnäckiger Verstopfung, bei Durchblutungsstörungen und Hämorrhoiden hilft Judasohr, Auricularia polytricha, in China Restaurants auch bekannt als Mu Err oder chinesischer Morchel. Dieser gallertige Pilz hilft durch seine stark quellfähigen Inhaltsstoffe überall, wo mehr Feuchtigkeit gebraucht wird.

 

 

Shiitake, wissenschaftlich Lentinula edodes, hat vielfältige Anwendungen, unterstützt aber vor allem die erwünschte Darmflora und wirkt gleichzeitig gegen schädliche Bakterien und Candida.

reishi-1962244_220.jpgDer berühmteste Pilz der japanischen Heilkunst ist ohne Zweifel Reishi, der glänzende Lackporling. In China wird er Ling Zhi genannt, der "Pilz der Unsterblichkeit". Die bittere Droge zeichnet ein sehr breites Wirkungsspektrum aus, hilft bei Allergien, Dysbiosen, Übelkeit und Durchfall. Insbesondere zur Entgiftung über die Leber, wie auch gegen chronische Entzündungen.
Als wirksame Inhaltsstoffe sind bekannt: Triterpene mit cortison-ähnlicher Wirkung. Adenosin wirkt gegen Anspannung. SOD, Glutathion-S-Transferase und Laccase vermindern oxidativen Stress.

Für die Darmgesundheit werden auch oft die Pilze Pleurotus ostreatus (Austernpilz), Coprinus comatus (Schopftintling), Coriolus versicolor (die Schmetterlingstramete) und Shiitake verwendet. Siehe Tabelle.

 

Pilze enthalten hohe Gehalte an sogenannten Ballaststoffen, vor allem Beta-Glukanen, die als Präbiotika wirken. Es lohnt sich also, regelmäßig frische Pilze in unseren Speiseplan aufzunehmen. Dabei ist sinnvoll, die Dosis langsam zu steigern, damit sich Darmflora und Verdauung daran gewöhnen können.

Viele der bekannten Heilpilze wirken außerdem dem Metabolischen Syndrom entgegen, senken die Cholesterin-Werte, Blutfette, lindern Diabetes und Bluthochdruck oder wirken Übergewicht entgegen.

 

In meiner Praxis lasse ich bei Darmbeschwerden zunächst eine Darmfloraanalyse machen oder einen umfangreichen Darmcheck. Meist wird zunächst der Ernährungsplan individuell angepasst, dann einige Sitzungen Colon-Hydro-Therapie zur sanften Reinigung des Dickdarms und des Interstitiums durchgeführt und schließlich sowohl mit Heilpilzen als auch mit den fehlenden Darmbakterien die gesunde Darm-Flora und -Funktion wieder hergestellt.

 

Literatur:

Franz Schmaus: Die Natur als Apotheke nutzen, Heilen mit Pilzen, (c) Franz Schmaus, 2012

Prof. Dr. med. Ivo Bianchi: Moderne Mykotherapie, (c) Prof. Dr. med. Ivo Bianchi, 2009

Heilen mit Pilzen, Handbuch zur Mykotherapie für Therapeuten, Limeshain, (c) MykoThroph 2013

Ernst Paulus, Ding Yu-he: Handbuch der traditionellen chinesischen Heilpflanzen, Heidelberg, Haug 1987

Prof. Dr. Jan Lelley: Die Heilkraft der Pilze. Gesund durch Mykotherapie, Düsseldorf, München, ECON 1997


Artikel auch erschienen im Naturheilkunde Journal, 20. Jahrgang, Januar 2018

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